Die Mehrzweckhalle am Samstagabend in Herbetswil war praktisch auf den letzten Platz gefüllt, als Dirigent Dirk Amrein mit «Up In The Sky» das erste Stück anzählte, welches gleichzeitig das Motto des Konzerts darstellte. Der Musikverein hatte sich vorgenommen, mit seinen Stücken das zahlreiche Publikum auf den Flug mitzunehmen. Das gelang bestens im pathetischen «First Flight» von Darryl O’Donovan. Traditionell und stilsicher kam
«Arc-en-ciel» von Jean-Pierre Fleury daher. Die Stärken des Korps kamen in Zuccheros «Miserere» zum Tragen: ein satter Klangkörper und viel Gefühl für die Interpretation poppiger, moderner Musik – ein Abbild des sehr tiefen Durchschnittsalters der Musikantinnen und Musikanten.

Eines dieser jungen Mitglieder stand im Mittelpunkt der nächsten Aufführung. Joël Müller zeigte eine souveräne, sichere Darbietung von «The Flea», dem Xylophon-Solo von Stefan Hodel. Mit der Filmmusik aus «Dragonheart», Mario Bürkis Arrangement des Mani Matter-Klassikers «Dr Alpeflug» und «Ich war noch niemals in New York» von Udo Jürgens als Zugabe schloss der Musikverein sein Konzert im Unterhaltungs-Genre und somit dort, wo es ihm hörbar wohl ist. Das Publikum honorierte die ständigen Fortschritte des Vereins zurecht mit lang anhaltendem Applaus.

Es braucht einiges an schauspielerischen Einlagen, um in einem kurzen Volkstheaterstück mit nur einem einzigen Akt dem Publikum abwechslungsreiche Unterhaltung zu bieten. Der Theatergruppe Herbetswil unter der Regie von Sascha Schenk gelang dieses Kunststück bravourös mit «En schwarze Tag» von Fritz Klein. Anwalt Heinz Steiner (Ruedi Schenk) steckt in Geldnöten und kann sich nur noch mit der versprochenen Zuwendung seiner Tante Emma (Sylvia Kohler) über Wasser halten. Bedingung dafür ist aber ein geregeltes Familienleben mit Kind. Zu blöd, ist ein Kind nicht vorhanden und ist zudem erst gerade seine Frau Irma (Ramona Hug) davongelaufen. Als Steiner sich von seinem Freund Ueli (Peter Brunner) dessen Frau (Salome Brunner) mitsamt Kind ausleihen will, entgleitet ihm die Sache komplett. Dies vor allem, weil der faule Hausbursche Jakob (Pascal Brunner) zusätzliche Kinder organisiert, Jakobs Frau Sandra (Anja Barrer) ebenfalls mitsamt Kind auftaucht und letztlich sogar Steiners Onkel Hans (Michael Gorgo) noch ein Kleinkind auftreibt.

Die vom Ensemble konturenreich herausgearbeiteten Charaktere entwirren den Kindersegen, kurz bevor Steiner dem schwarzen Tag mit dem Strick ein Ende bereiten will. Die Standpauke von Tante Emma kommt an. Irma und Anwalt Steiner finden ihr Familienglück wieder und das Publikum spendet der Theatercrew den verdienten Applaus und Jubel.

Fotos

Text: Stefan Müller-Altermatt, Foto: Remo Fröhlicher, Oltner Tagblatt